
Medienkompetenz-Workshops in Schulen in Österreich gewinnen an Bedeutung. Studien zeigen Unsicherheit im Umgang mit Sozialen Medien und Künstlicher Intelligenz (KI). Workshops vermitteln journalistische Grundlagen, Quellenkritik und die Einordnung von Informationen.
Medienkompetenz bezeichnet die Fähigkeit, Medieninhalte kritisch zu verstehen, zu bewerten, zu produzieren und ihre gesellschaftliche Wirkung zu reflektieren.
Wer heute über Informationen, Nachrichten und Medien spricht, muss auch über moderne Verbreitungswege sprechen. Der Digital News Report 2025 (Detailergebnisse für Österreich) beschreibt ein Publikum „in Bewegung“ und ein Mediensystem „unter Druck“: Aufmerksamkeit wird im digitalen Raum knapper, Sichtbarkeit hängt stärker von Plattformlogiken ab.
Gerade jüngere Zielgruppen konsumieren Nachrichten laut dem Report deutlich seltener über klassische Kanäle, dafür häufiger über soziale Netzwerke und Video-Plattformen wie YouTube, TikTok oder Instagram. Zentral ist dabei die Vertrauensfrage.
Studien: Zwischen Überfluss und Unsicherheit
Laut Österreich-Auswertung des Reuters Digital News Report liegt das Vertrauen in Nachrichten bei 40,6 % (nahe am globalen Durchschnitt von 40,4 %).
Gleichzeitig bleibt Nachrichtenvermeidung hoch:
40 % vermeiden Nachrichten gelegentlich oder häufig.
Häufig genannt werden negative Stimmungseffekte und Überdruss.
Für Schulen sowie Lehr- und Betreuungspersonen ist das eine relevante Ausgangslage.
Informationskompetenz bedeutet nicht mehr nur, „Zeitung lesen zu können“, sondern die Fähigkeit, in einem daueraktualisierten Feed die Qualität von Information zu prüfen.
Im Unterricht helfen drei Prüffragen:
Wer steckt hinter der Aussage und welche Belege gibt es?
Welches Ziel verfolgt der Absender: Information, Meinung, Pressearbeit (PR) oder gezielte Beeinflussung?
Und was fehlt im Kontext, etwa Gegenpositionen, Daten oder ein klarer Zeitpunkt?
Medienkompetenz im Unterricht: Journalismus, KI und Desinformation
Neu ist auch, dass sich Informationssuche zunehmend mit KI-Tools verschränkt. In Österreich nutzen 5,3 % der Gesamtbevölkerung, vor allem unter 35-Jährige, Chatbots (z. B. ChatGPT, Gemini, Meta AI) zur Nachrichtenrecherche. Gleichzeitig ist die Haltung ambivalent: Genannt werden Chancen (z. B. Aktualität, geringere Kosten), aber auch klare Bedenken, etwa weniger Transparenz, geringere Korrektheit und geringeres Vertrauen, wenn KI an der Nachrichtenproduktion beteiligt ist.
Das ist ein guter Anknüpfungspunkt für Medienbildung: KI kann beim Verstehen helfen, etwa durch Zusammenfassungen komplexer Inhalte oder Übersetzungen, ersetzt aber nicht die Grundfragen journalistischer Qualität: Wie wurde recherchiert? Welche Belege gibt es? Welche Unsicherheiten bleiben?
Warum Medienkompetenz-Workshops für Schulen wichtiger werden
Medienkompetenz ist nicht nur eine Demokratie- und Bildungsfrage, sondern hat auch eine gesundheitliche Dimension. Die „COPSY-Studie“ ist eine deutschlandweite, bevölkerungsbasierte Längsschnittstudie, die die Lebensqualität und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen untersucht.
Die jüngste „COPSY-Studie“ (Dezember 2025) zeigt: 22 % der Kinder und Jugendlichen berichten über niedrige gesundheitsbezogene Lebensqualität, 23 % über allgemeine psychische Probleme, 25 % über Angstsymptome und 18 % über Einsamkeit. Es sind laut den Studienautoren Werte, die noch leicht über dem Niveau vor der Pandemie liegen.

Viele Kinder und Jugendliche leben inzwischen in einem anhaltenden Krisenmodus. Zwar hat sich die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen nach der Pandemie stabilisiert, das Vor-Corona-Niveau ist aber noch immer nicht erreicht, erklärt die Leiterin der COPSY-Studie, Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer.
Relevant für den Schulkontext ist auch der digitale Teil der Ergebnisse: 38 % nutzen soziale Medien mindestens vier Stunden täglich, 39 % berichten häufig von belastenden Inhalten im Feed, 22 % fühlen sich durch Ausgrenzung oder Abwertung online belastet. Gleichzeitig geben 63 % an, KI zu nutzen. KI werde dabei meist für Information und Schule genutzt. Nur ein kleiner Anteil nutze KI, um über persönliche Sorgen zu sprechen.
Für Workshops bedeutet das: Es geht nicht nur um „Fake News erkennen“, sondern auch um den Umgang mit Aufmerksamkeitsdruck, emotionalisierenden Inhalten und der Frage, wie Algorithmen Themen gewichten und wie man sich selbst schützt, ohne sich völlig abzuschotten.
Medienkompetenz im Unterricht
Im Unterricht wird Medienkompetenz dann wirksam, wenn sie praktische Routinen stärkt: Quellen enttarnen, Hintergründe erforschen; Behauptungen gegenprüfen; zwischen Nachricht, Meinungsbeeinflussung und Werbung unterscheiden; Bild- und Video-Kontext prüfen; und bei KI-generierten Inhalten nach Originalquelle, Datum, Methode und Gegencheck fragen.
In meinen Medienkompetenz-Workshops an Schulen in Österreich arbeite ich dafür mit journalistischen Grundprinzipien, wie Genauigkeit, Richtigkeit, Transparenz, Unabhängigkeit, Verantwortlichkeit, und übersetze sie in alltagstaugliche Fragen: Was weiß ich wirklich? Was vermute ich? Wer profitiert davon, wenn ich das teile?
Eine Rückmeldung aus der Praxis beschreibt genau diesen Punkt, dass eben der Unterschied zwischen „Meinung verbreiten“ und „Wissen weitergeben“ für viele Jugendliche erst im Gespräch sichtbar wird:
„Hr. Winterleitner hat unsere Lehrlinge mit Geduld und Fachkompetenz durch den Workshop geführt. [.] der Unterschied zwischen ‚eine Meinung verbreiten‘ und ‚Wissen weitergeben‘ wurde immer klarer. [.] Viele Inputs und Inhalte wirken weiter.“
Sabrina Fuchs-El Bahnasawy | in
Sozialpädagogische Betreuerin Arbeitsmarktpolitische Projekte bei BFI Wien
ORF-Initiative: Workshops als Teil einer breiten Medienbildung
Neben sogenannten „Fakten-Freitagen“ baut der ORF seine Medienkompetenz-Aktivitäten auch durch Workshops an Schulen in Österreich aus: Auf bildung.ORF.at finden sich unter anderem Informationen zu Workshops in Schulklassen von ORF-Journalistinnen und -Journalisten, die in Kooperation mit Lie Detectors (Unterstufe) und Digitaler Kompass (Oberstufe) stattfinden. Aber auch Unterrichtsmaterialen und sonstige themenspezifische Inhalte finden sich auf bildung.ORF.at. Ziel ist, Kinder und Jugendliche beim Erkennen von Falschinformationen zu unterstützen und Orientierung im digitalen Raum zu geben.

Gruppenbild des Train-the-trainer-Workshops von Lie Detectors im ORF-Zentrum. Quelle: Lie Detectors
Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Wenn Nachrichtenwege fragmentieren und Vertrauen nicht automatisch mitklickt, braucht es in der Schule Räume, in denen Fragen gestellt werden dürfen; ohne Bloßstellung, aber mit klaren Kriterien.
Warum Medienkompetenz dringlich bleibt
Der Digital News Report beschreibt nicht nur technische Verschiebungen, sondern auch eine kulturelle: Informationswege individualisieren sich, öffentliche Debatten werden volatiler. Gleichzeitig zeigen Daten zur Nachrichtenvermeidung, dass viele Menschen sich dem Nachrichtenstrom entziehen, weil er belastet oder überfordert.
Medienkompetenz-Workshops können das nicht allein „lösen“. Aber sie können Fähigkeiten stärken, die im Alltag sofort wirken: prüfen statt weiterleiten; einordnen statt nur empören; mehrere Perspektiven lesen; und verstehen, wie Journalismus idealerweise arbeitet und wo Grenzen, Fehler und Korrekturen transparent werden müssen.
Weiterführende Links:
- Digital News Report 2025 – Detailergebnisse Österreich (Universität Salzburg, Fachbereich Kommunikationswissenschaft)
- COPSY-Studie (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf)
- Kostenlose Bildungsangebote „Starke Schule, starke Gesellschaft“ (OeAD)
- ORF Bildung
- ORF-Workshops in Schulklassen
- Weitere ORF-Angebote zur Förderung von Medienkompetenz
- ZIB Magazin Media
- Lie Detectors
Häufige Fragen zu Medienkompetenz-Workshops in Schulen
Was lernen Schüler:innen in einem Medienkompetenz-Workshop?
Schüler:innen lernen, Nachrichtenquellen kritisch zu prüfen, zwischen Fakten, Meinungen und Werbung zu unterscheiden und Desinformation zu erkennen. Dazu gehören grundlegende journalistische Arbeitsweisen wie Quellenbewertung, Kontextprüfung und der Umgang mit Social-Media-Inhalten. Auch der Einsatz von KI-Tools wird reflektiert, etwa bei Zusammenfassungen oder Bildgenerierung.
Wie unterscheidet man Information, Meinung und PR?
Nachrichteninformationen basieren auf überprüfbaren Fakten, journalistischem Handwerk und klar genannten Quellen. Meinungen hingegen sind wertend und sollten (im journalistischen Kontext) klar gekennzeichnet sein. Pressearbeit (PR / Public Relations) verfolgt ein strategisches Kommunikationsziel im Interesse einer Organisation, politischen Partei oder Person. Im Workshop wird vermittelt, wie man diese Unterschiede erkennt und welche Transparenzkriterien Qualitätsjournalismus auszeichnen.
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz im Medienunterricht?
KI-Tools werden zunehmend zur Informationssuche und Textzusammenfassung genutzt. Gleichzeitig bestehen Unsicherheiten hinsichtlich Transparenz, Fehleranfälligkeit und Quellenlage. Medienkompetenz-Workshops zeigen, wie KI sinnvoll genutzt und Ergebnisse kritisch überprüft werden können.
Warum sind Medienkompetenz-Workshops für Schulen wichtig?
Studien wie der Reuters Digital News Report und die COPSY-Studie zeigen Unsicherheiten im Umgang mit Nachrichten und digitale Belastungen bei Jugendlichen. Workshops stärken die Fähigkeit, Informationen einzuordnen, emotionale Inhalte zu reflektieren und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umzugehen. Sie gelten somit als wichtiger Bestandteil demokratischer Bildung.
Für welche Schulstufen sind Medienkompetenz-Workshops geeignet?
Medienkompetenz-Workshops können altersgerecht für Unter- und Oberstufe gestaltet werden. In Österreich werden Programme häufig in Kooperation mit Initiativen wie Lie Detectors (Unterstufe) und Digitaler Kompass (Oberstufe) umgesetzt. Der ORF und andere Medien setzen sich zudem verstärkt für Medienkompetenz ein. Auch die Bundesregierung unterstützt Medienkompetenz-Initiativen und fördert Workshops, um sie für Schulen kostenlos anzubieten.
Kontakt für Schulen
Für Schulen, die Medienkompetenz-Workshops prüfen möchten, stehen hier weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung. Je nach Zielgruppe und Schulstufe werden die Workshops in Kooperation mit dem Digitalen Kompass bzw. Lie Detectors umgesetzt. Nutzen Sie dafür das Formular oder die angegebenen Kontaktdaten. Von der Bundesregierung geförderte Workshops können auch direkt über den OeAD angefragt und gebucht werden.





